Rezension | Sasha Dawn - Rot wie das Vergessen

Montag, September 28, 2015

Eines Nachts wird Callie zitternd in einer verlassenen Wohnung gefunden, die Wände über und über mit Kritzeleien bedeckt, darunter immer wieder der Satz "Ich habe ihn umgebracht", Ihn, ihren Vater, der Callie jahrelang misshandelt hat. Sie glaubt, ihn getötet zu haben, auch wenn sie sich nicht daran erinnern kann. Seitdem leidet sie unter einem Schreibzwang und versucht dadurch, der Erinnerung auf die Spur zu kommen. Aber letztlich ist es John, der ihr dabei hilft. Und der sich ebenso in Callie verliebt wie sie sich in ihn.

MEINE MEINUNG
Vor einem Jahr ist Callies Vater, Reverend Palmer Prescott, verschwunden. Kurz darauf wurde sie in einer Wohnung gefunden, ihre Mutter ist seit längerer Zeit in der Psychatrie. Sowohl Mutter als auch Tochter scheinen etwas zu wissen, können sich aber nicht erinnern. Callie leidet häufiger unter Flashbacks, in denen sie ihren plötzlichen Schreibzwang auslebt und immer wieder verwirrende Wörter oder Sätze mit einem roten Filzstift in ihr Notizbuch schreibt. Die Wörter/Sätze geben Anhaltspunkte auf das Verschwinden ihres Vaters, die im ersten Moment aber sowohl bei Callie als auch beim Leser immer mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Mithilfe von John, einem Jungen aus Callies Schule, geht sie ihren schwachen Erinnerungen während dieser Flashbacks auf die Spur und fängt allmählich an herauszufinden, was wirklich passiert ist und was für ein grausamer Mann ihr Vater in Wirklichkeit war.

Sasha Dawn hat hier ein einzigartiges Setting erschaffen. Ein See, eine Kirche, ein Labyrinth, Rosenkränze, rote Türen... Jede Szene übt eine düstere, bedrückende Stimmung aus, Callies Schreibzwang aus Wörtern wie "lebendig begraben" tragen noch mehr zu der unbehaglichen Szenerie bei. "Rot wie das Vergessen" ist ein Buch, dass mich aufgrund seiner Andersartigkeit fasziniert hat. Die ersten 100 Seiten war es schwer für mich reinzukommen, es gab einige Wiederholungen, die aber offenbar alle aus einem bestimmten Grund passieren. Die ganze Handlung war lange verwirrend, verworren, vielleicht sogar leicht psychopathisch. Von der Geschichte bis zu den Charakteren schreckte Sasha Dawn vor nichts zurück - Rohheit, Brutalität, Mängel. Allein Callie ist mit ihrer psychischen Störung ein gutes Beispiel. Sie ist eine untypische Heldin, gebrochen, fehlerhaft, aber nicht unsympathisch oder uninteressant. Auch die eingebaute Liebesgeschichte ist hier anders, nichts verläuft gerade, nichts ist hier auch nur annähernd perfekt. Ehrlich gesagt sind alle Beziehungen in dieser Geschichte fehlerhaft, teils hässlich, egal ob zwischen Callie und John oder zwischen Callie und ihrer Pflegeschwester Lindsey, und trotzdem sind sie schonungslos ehrlich.

Das Buch hat Ecken und Kanten, ging in Richtungen, die mich überrascht haben. Es ist nicht schlecht und im Gegensatz zu dem was ich erwartet habe, mochte ich das Buch, da ich im Grunde immer wissen wollte, was passiert ist. Allerdings ist "Rot wie das Vergessen" auch kein leichtes Buch. Es ist kein Buch, dass ich uneingeschränkt empfehlen kann, obwohl es mich noch eine Weile beschäftigt hat. Es ist eher ein Buch, dessen Erfahrung jeder selber machen muss, um zu entscheiden, ob er damit etwas anfangen kann oder nicht.

ABSCHLUSSWORT
"Rot wie das Vergessen" gehört zu den Büchern, die verwirren. Es ist ein Buch, das keine positiven Gefühle hervorruft und trotzdem auf eine Art fasziniert und nachwirkt. Alles, von der Story bis zu den Charakteren, ist verwirrend, unperfekt, gebrochen, verstörend und teils brutal. Es ist kein Buch, dass ich jedem empfehlen kann, da es eindeutig nicht zu der leichten, unterhaltsamen Lektüre gehört. Mich persönlich hat das Buch dennoch überrascht und im Großen und Ganzen habe ich es mit all seiner Unperfektheit gerne gelesen.

4/5 Punkte

DTV - 374 Seiten - Einzelband - Taschenbuch - 14,95 EUR

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