Rezension | Vikki Wakefield - Zeit zu gehen, Friday Brown

Freitag, August 21, 2015

Die siebzehnjährige Friday ist auf der Flucht – vor den Erinnerungen an ihre Mutter, vor ihrem Großvater und vor sich selbst. Um nicht allein zu sein, schließt sie sich einer Gang von Straßenkids an, angeführt von der schönen und charismatischen Arden. Zusammen ziehen sie in eine Geisterstadt weit draußen im australischen Outback. Doch Friday merkt bald, dass die erhoffte Freiheit nur ein Traum ist. Sie lernt, dass man manchmal bleiben muss, um zu beenden, was man begonnen hat. Und dass man manchmal erst jemand werden muss, der man nie sein wollte, bevor man herausfindet, wer man wirklich ist. 

MEINE MEINUNG

"Vivienne hatte mich gelehrt, dass das Leben kurz war, und wenn es nicht gut lief, war man bei den falschen Leuten am falschen Ort." S. 23

Friday Brown, 17, ist ihr ganzes Leben auf der Flucht. Ihre Mutter war ziemlich rastlos und reiste mit Friday alle paar Monate an einen anderen Ort Australiens. Daher wundert es nicht, dass Friday nach dem Tod ihrer Mutter aus dem Hause ihre Großvaters abhaut. Auf der Straße begegnet sie einem Jungen namens Silence und landet schließlich bei der charismatischen Arden und ihrer Gang. In einer verlassenen Geisterstadt fernab von jeglicher Zivilisation findet die Geschichte ihren Höhepunkt und Friday muss alles, woran sie bisher geglaubt hat, neu herausfordern. Es entsteht nicht nur zwischen den Charakteren ein plötzlicher Machtkampf und wo das ganze endet, war ziemlich überraschend.
Die Geschichte von Friday Brown ist ziemlich komplex, dürfte nach dem Lesen wohl noch eine Weile beschäftigen und sich nicht sofort wieder vergessen lassen. Es sind vorallem die seltsamen aber anziehenden Charaktere, die das Geschehen spannend machen. Erbarmungslos ehrlich werden von Vikki Wakefield Themen wie Trauer, Obdachlosigkeit sowie Macht und deren Missbrauch dargestellt. Aber es geht auch für Friday ganz klar um das Finden ihrer eigenen Identität. Aber letztendlich heißt es dann doch Gut gegen Böse. Hass gegen Liebe. Wahrheit gegen Lüge. 

Friday ist eine Persönlichkeit, die sich oft selbst in Frage stellt und immer wieder versucht sich neu zu definieren. Sie versucht herauszufinden, wer sie ohne ihre Mutter ist. Sie kennt sich selber nicht mehr seit die einzige Familie, die sie je hatte, plötzlich nicht mehr da ist. Sie hat Angst Beziehungen einzugehen, scheut aber gleichzeitig die Einsamkeit. Friday ist anfangs eine schüchterne, zurückhaltende Person, die versucht mit Arden und ihrer "Familie" eine sinnvolle Verbindung einzugehen. Sie sieht Arden zunächst als eine Art Mutter-Figur und kuscht genauso vor ihr, wie alle anderen. Arden hat ein unglaubliches Charisma und eine selbstbewusste aber gefährliche Ausstrahlung. Im Verlauf zeigt sie aber ihr wahres Gesicht. Je mehr Ardens manipulative und wahrscheinlich auch psychisch gestörte Art zum Vorschein kam, desto mehr begann Friday sich selber zurückzugewinnen und ihren eigenen Weg zu bestimmen. 
Die Charaktere in der Geschichte sind keineswegs fehlerfrei. Niemand ist hier perfekt und auch nicht unbedingt alle sind sympathisch. Dennoch verbreiten sie eine unglaublich faszinierende Wirkung.

Das Buch ist in zwei Teile unterteilt. Im ersten Teil "Die Stadt" wird das Leben der Jugendlichen in der Stadt beschrieben und wie sie sich dort mehr oder weniger erfolgreich durchschlagen. Im zweiten Teil "Staub" verfolgt man das Leben von Friday, Arden und den anderen in der Geisterstadt draußen im Outback. Die ganze Stimmung des Buches ist düster und bedrückend. Es gibt viele unbehagliche Szenen, die sowohl dem Thema, der Umgebung als auch den kaputten Charakteren zuzuschreiben ist. Erzählt wird die Geschichte von Friday selbst. Dabei verwendet Vikki Wakefield eine sehr bildhafte Sprache.

ABSCHLUSSWORT
"Zeit zu gehen, Friday Brown" ist ein sehr bedrückendes Buch, das noch einige Zeit nachwirkt. Die Charaktere sind alle sehr angeknackst und auf ihre Weise kaputt. Dennoch üben sie eine große Anziehungskraft und Faszination aus. Der bildhafte Schreibstil und die immer weiter ansteigende Spannung helfen dabei, Friday auf ihrem Weg sich selbst zurückzufinden zu begleiten. Ein Jugendbuch, das sicherlich noch etwas im Kopf bleiben dürfte.

5/5 Punkte

Fischer Sauerländer - 411 Seiten - Einzelband - Hardcover - 14,99 EUR

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