Rezension | Jannes C. Cramer - Die Frauenkammer

Dienstag, März 03, 2015

Amazon Publishing | 184 Seiten | Einzelband | Taschenbuch | 9,99 EUR

In einem abgelegenen, unbelebten Teil der Stadt wird eine Frauenleiche gefunden, doch die Ermittlungen liefern keine verwertbaren Spuren ‒ weder zum Opfer noch zum Täter. Wenige Wochen später sorgt eine zweite Tote für offene Fragen. Ein tragischer Unfall oder ein weiterer Mord? Wie sich schnell herausstellt, scheint es eine Verbindung zwischen beiden Fällen zu geben. Für Kommissar Frank Holper beginnt eine mühsame Ermittlungsarbeit, für die er schon bald die Hilfe eines externen Beraters in Anspruch nimmt. Ein verhängnisvoller Fehler …

MEINE MEINUNG
Zunächst einmal muss ich sagen, dass "Die Frauenkammer" für mich kein Thriller ist, sondern ich das Buch eher in die Kategorie "guter Krimi" einordnen würde. Okay, zugegeben, es gibt ein paar Psychothriller-Elemente, aber die blutigen Details bleiben einem erspart. Interessant fand ich hier die Mischung, dass der Täter von Anfang bekannt ist. Cramer schreibt nämlich nicht nur aus der Sicht der Kommissars Frank Holper, sondern gleichzeitig auch noch aus der Sicht des Opfers und Täters. Man hat es also gleich mit drei Sichtweisen zu tun. Es war insoweit interessant, dass man auch mal erfährt, die der Täter tickt, was seine Beweggründe sind, die nach und nach zum Vorschein kommen. Und natürlich erfährt man auch, wie das Opfer sich fühlt. Diese Kombi, die im ersten Moment langweilig klingt, ist aber tatsächlich sehr spannend umgesetzt.

Die Frauenkammer ist genau das, was man vermutet: ein kleiner, enger Raum, in dem der Täter junge Frauen gefangen hält. Ich mus sagen, dass diese Szenen sehr bedrückend für mich waren und ich weiß zu 100 %, dass ich - wäre ich in dieser Kammer - nach wenigen Minuten hyperventilieren und einen Zusammenbruch erleiden würde. (Ich wäre also quasi das perfekte Opfer :o). Die Kammer und das, was der Täter mit den Frauen macht, war gut und detailreich beschrieben, sodass sich dieses berühmte Kopfkino bei mir eingestellt hat und ich eine ziemlich gute Vorstellung hatte.

Zu den Charakteren kann ich jetzt nicht allzu viel sagen, ohne zu viel vorweg zu nehmen. Ich kann ehrlich gesagt auch nicht sagen, ob ich sie sympathisch fand. Durch die verschiedenen Sichtweisen ändert sich irgendwie auch immer der Blickwinkel. Die Frauen taten mir leid, der Täter hatte für mich eindeutig ein paar psyische Probleme und Kommissar Holper sollte doch bitte mal mit den Ermittlungen vorankommen. Wie das halt so ist. Allerdings muss ich sagen, dass Holper immer ein bisschen die Randfigur war und dadurch etwas blass wirkte. Ihm hätte man ruhig noch ein paar Szenen mehr widmen können.

Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, lässt sich aber schnell und flüssig lesen, allerdings wechselte mir die Perspektive manches Mal zu schnell. Bei der Seitenzahl von 184 Seiten war ich anfangs skeptisch, weil ich mir dachte: Wie will man diesen Fall in der kurzen Zeit lösen und erklären? Aber auch das ist ziemlich gut gelungen. Wo andere Romane zu viel haben, ist es hier mit der niedrigen Seitenzahl gut getan. Einzig das Ende kam dann doch etwas schnell, hier hätten 5 Seiten mehr nicht wehgetan.

FAZIT
Mit "Die Frauenkammer" ist Jannes C. Cramer ein guter, spannender Debütroman gelungen, der sich sehen lassen kann. Für mich war es eine interessante Erfahrung auch mal aus der Sicht von Opfer und Täter zu lesen, als immer nur aus der Sicht der Polizei. Die Umsetzung ist hier auch gut gelungen. Allerdings muss ich für mich persönlich sagen, dass glaube doch lieber bis zum Schluss mitrate, wer der Täter ist. Trotzdem hatte ich spannende Lesestunden, mit ein paar bedrückenden Momenten.

4/5 Punkte 

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