Rezension | Priscille Sibley - Ich versprach dir die Liebe

Mittwoch, April 23, 2014

Bastei Lübbe | 444 Seiten | Einzelband | Taschenbuch | 8,99 EUR

Matt Beaulieu war zwei Jahre alt, als er Elle McClure zum ersten Mal umarmte, siebzehn, als er sie unter einem Himmel voller Sternschnuppen zum ersten Mal küsste, dreiundreißig, als er sie heiratete. Mit Ende dreißig hat das glückliche Paar alles - außer dem Kind, das es sich immer gewünscht hat. Als Elle nach einem schweren Unfall im Koma liegt, ist Matt am Boden zerstört. Auch wenn er es nicht ertragen könnte, sie zu verlieren, weiß er, dass seine Frau nur eins gefürchtet hat - einen langsamen Tod. Kurz bevor Matt zustimmt, die lebenserhaltenenen Maßnahmen einzustellen, entdecken die Ärzte, dass Elle schwanger ist. Was vorher eindeutig war, wird zu einer schier unmöglichen Entscheidung ...

MEINE MEINUNG

"Ich klammerte mich an dieses Baby als könnte es mich erlösen - anstatt andersherum." S. 92

Entgegen aller Erwartung handelt es sich hier nicht um einen kitschigen Liebesroman. Natürlich sind so einige Klischees vorhanden: Das Paar kennt sich von klein an, verliebt sich im Teenageralter und heiratet den anderen als sie erwachsen sind. Nur das "Sie leben glücklich bis an ihr Lebensende" fehlt.
Das Buch beginnt sofort mit der Einlieferung von Elle in die Notaufnahme. Man ist also mitten im Geschehen und erlebt augenblicklich den Schock, die Wut und die Trauer von Matt als er erfährt, dass es für Elle keine Chance mehr gibt. Er wusste, dass Elle niemals künstlich am Leben erhalten werden wollte und gerade in dem Moment als er schon zusagen will, die Maschinen abzuschalten, entdeckt die Frauenärztin das Elle schwanger ist. Er will dem Baby eine Chance geben. Nicht nur, dass das Baby auch ein Teil von Elle wäre, die beiden haben sich nichts sehnlicher als ein Kind gewünscht. Matt's Mutter ist allerdings dagegen, die lebenserhaltenenen Maßnahmen weiter aufrecht zu erhalten, denn was Matt nicht weiß: Elle hatte als junge Erwachsene eine Patientenverfügung erstellt, die jegliche Lebenserhaltung verneint. Und damit beginnt Matt's Entscheidung, das Baby retten zu wollen, die Familie zu entzweien.

Während man den Streit in Matt's Familie nahezu schon fassungslos mitansieht, gewährt uns die Autorin zwischendurch einige Einblicke in die Vergangenheit. Es werden alle die Jahre erzählt, die Matt und Elle verbracht haben. Natürlich war nicht immer alles rosig zwischen den beiden und auch sie hatten ihre Höhen und Tiefen zu meistern. Trotzdem merkt man, wie bedingungs- und kompromisslos die Liebe der beiden war. Die Vergangenheit gibt einem tiefe Einblicke in die Beziehung der beiden, die einem das Herz aufgehen lassen. Auch bringt uns die Autorin so den Charakter Elle ein Stück näher.  Elle war Astronautin und damit eine hochintelligente und tapfere Frau, die immer zuerst an die anderen dachte und dann an sich. Sie war immer für alle da, hat alles gemacht und sich selbst nie wichtig genommen. Sie war lebensfroh, hatte Ziele und Träume, die sie sich auch verwirklicht hat.

Der Schreibstil von Priscille Sibley ist einfühlsam und emotional und bringt einem dadurch das doch sehr sensible Thema näher. Sie benutzt wunderbare Adjektive und Beschreibungen, sodass man sich die handelnden Personen und deren Gefühlswelt perfekt vorstellen kann. Durch das Vergangenheits-Gegenwarts-Spiel lässt die Autorin einen kurzzeitig vergessen, um was für ein ernstes Thema es eigentlich geht und man konzertiert sich nur auf Matt und Elle und deren Liebe.  

FAZIT
"Ich versprach dir die Liebe" ist ein Buch voller Emotionen, Trauer, Mitgefühl und irgendwo auch Hoffnung. Ein Buch, das einen schmerzlich daran erinnert, wie nah Leben und Tod beieinander liegen. Ein Buch, das einen daran erinnert, das man irgendwann an einen Punkt kommt, an dem man lebenswichtige Entscheidungen zu treffen hat. Es ist ein Buch, das einen zum Nachdenken anregt: Was hat Vorrang? Das  Recht auf einen friedlichen Tod oder das Recht auf Leben? Was würde ich wollen? Oder noch unvorstellbarer - wie würde ich handeln? Auch wenn die eine oder andere Träne geflossen ist, dieses Buch hat es verdient gelesen zu werden.

5/5 Punkte

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3 Kommentare

  1. ohhh gotttt sooooooooo schön och da wein ich ja gleich schon nur von der rezi *schnief*..ach ab damit auf die wuli :)

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    1. ach Gott :p aber das war wirklich traurig. halte also die Taschentücher parat, wenn du es liest :)

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  2. Das klingt wundervoll! Ich hatte ein bisschen Gänsehaut beim Lesen.. Das kommt direkt auf die Wunschliste :)

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