Rezension | Amy Silver - Du und ich und all die Jahre

Sonntag, März 02, 2014

Rowohlt  | 337 Seiten | Einzelband | Taschenbuch 8,99 EUR 

Seit Jugendtagen feierte Nicole Silvester mit ihrem besten Freund Julian. Jahr für Jahr erzählten sie sich ihre Vorsätze und geheimen Wünsche. Bis zu jener schicksalshaften Neujahrsnacht, als Julian aus dem Leben gerissen wird. Seitdem ist Nicoles Leben völlig aus den Fugen geraten. Beruflich steckt sie in einer Sackgasse, ihre Ehe mit Dom kriselt gewaltig und dann taucht auch noch Aidan wieder auf, der Mann, der ihr einst das Herz brach. Nicole beschließt: Im neuen Jahr wird sie ihr Leben endlich wieder in die Hand nehmen. Doch wie soll sie das schaffen ohne Julian? 

MEINE MEINUNG

"Silvester ist aufregend, ein Neuanfang, verschiebt die Grenzen des Machtbaren. Und es gibt einem die Möglichkeit, Vergangenes zu den Akten zu legen. Das Gestern irgendwo zu begraben, wo es endgültig der Vergessenheit überantwortet wird."  S. 38

Jedes Jahr haben Nic und Julian Silvester zusammen gefeiert und einander ihre Vorsätze erzählt. Die beiden verband mehr als Freundschaft. Sie waren wie Geschwister, seelenverwandt. . Umso schmerzhafter trifft Nic der Tod von Julian. Es bringt sie komplett aus der Fassung, sie verliert die Kontrolle über ihr Leben und sie versinkt in einem tiefen Loch aus Trauer. Das macht sich auch in ihrer Ehe mit Dom bemerkbar. Es kriselt seitdem heftig, weil Nic niemanden mehr wirklich an sich heranlässt und ihre Gefühle für sich behält. Nic sehnt sich immer wieder nach der Vergangenheit zurück, besonders vor Julian's Tod. Man bekommt das Gefühl, dass in dem Moment, wo sie von seinem Tod erfuhr, auch in ihr etwas gestorben ist. Sie fühlt sich einfach nicht mehr komplett. Und sie hat einen Teil ihrer Lebensfreude dadurch verloren. Drei Jahre nach Julian's Tod wollen Nic und Dom Silvester in New York bei Karl, Julian's Freund, verbringen. Dort trifft Nic auf Aidan, Julian's Cousin und ihre erste große Liebe und der Typ der ihr in der Vergangenheit mehrmals das Herz gebrochen hat. Und in New York trifft sie neben Karl und Aidan auch Alex. Sie begreift, dass ihr die drei fehlen, dass etwas in ihrem Leben fehlt, dass sie mit den Dreien mehr sie selbst ist.

Das Buch ist sehr flüssig und einfach geschrieben, ohne irgendwelche komplizierten Unterbrechungen. Dabei wechseln sich die Kapitel zwischen der  Gegenwart und der Vergangenheit ab. Während sich die Gegenwart  in dem Zeitraum von Weihnachten bis Silvester 2011 abspielt, ist die Vergangenheit auf die unterschiedlichen und erlebnisreichen Silvester von Nic gerichtet. Dabei erfährt man dann auch so ziemlich alles. Man erfährt, wie Nic Julian, Aidan, Alex und Dom kennengelernt hat, wie Aidan immer wieder auftaucht und Nic immer wieder verletzt und wie sie scheinbar irgendwann mit Dom den richtigen Partner gefunden hat. Er ist nett, liebevoll, respektiert sie, liebt sie. Klar, Aidan hat Nic auch geliebt, nur konnte er das nie wirklich zeigen. Man erfährt, wie es zu Julian's Tod gekommen ist und wie tief das Loch ist, in das Nic damit fällt. Durch das Gegenwart-Vergangenheits-Gewechsel fügen sich nach und nach alle Puzzleteile zusammen, die noch offen waren. Dabei baut sich die Spannung auch langsam auf, die sich dann, wenn sie erst da ist, bis zum Ende hält.

Noch kurz zum Titel: Am Anfang dachte ich "Du und ich und all die Jahre" bezieht sich auf diese besondere Freundschaft zwischen Julian und Nic. Dann kamen Aidan, Alex und Dom ihr Leben und ich glaube mittlerweile, sind es die Jahre mit allen Vieren. Die Jahre mit den vier Menschen, die ihr am meisten bedeuten und mit denen sie immer wieder gelacht, geliebt, gestritten und gelitten hat.

FAZIT
Ein wunderbar berührendes Buch über Freundschaft, Liebe und Verluste. Ein Buch das zeigt, dass man irgendwann im Leben an einem Punkt ankommt, an dem man sein Leben wieder in die Hand nehmen und Entscheidungen treffen muss, um wieder glücklich zu sein. 

5/5 Punkte

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