Rezension | Nele Neuhaus - Wer Wind sät

Sonntag, Februar 16, 2014

Im bereits 5. Fall für Pia und Oliver geht es um die Firma WindPro, die einen Windpark auf einer ungenutzten Wiese errichten will. Theoretisch keine schlechte Idee, nur leider sieht das Ludwig Hirtreiter etwas anders: Die Wiese ist sein Eigentum und er bekommt dafür unglaubliche 2 Millionen Euro von der WindPro geboten. Ungünstigerweise ist Ludwig Hirtreiter aber auch Mitglied der Bürgerinitiative "Keine Windräder im Taunus". Plötzlich wird im Firmengebäude der WindPro der Nachtwächter tot aufgefunden und ein toter Hamster im Schreibtisch des Chefs Theissen entdeckt. Den Ermittlern Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein wird schnell klar, dass der Chef Theissen lange nicht so unschuldig ist, wie er tut. Und welche Rolle spielt Theissens ehemaliger Mitarbeiter Jannis Theodorakis, der sich nur allzu gerne an seinem ehemaligen Chef rächen würde? 

Wie in den ersten vier Fällen auch, sind die einzelnen Kapitel wieder aus verschiedenen Sichten unterteilt. Diese sind auch nachvollziehbar abgetrennt, jedoch war es mir diesmal zu viel Gewechsel zwischen den Sichten. Das erste Kapitel allein geht schon ca. 85 Seiten und in diesem ersten Kapitel wurde ca. alle  2-3 Seiten aus der Sicht einer anderen Person geschrieben.  Der Mord am Nachtwächter der WindPro passiert zwar relativ am Anfang, jedoch hat es eine Weile gedauert bis das Buch erst mal in Fahrt gekommen ist und damit interessant wurde. Wie in den Vorgängerbänden werden einem auch gleich zu Anfang alle gleich alle handelnden und bedeutenden Personen vorgestellt, sodass die Übersicht im Laufe des Buches wieder leichter fällt. Der Schreibstil war ebenfalls wieder flüssig und leicht verständlich. An einigen Stellen wurde mir persönlich aber diesmal auch einfach zu sehr übertrieben. Wahrscheinlich sollte das Spannung in den Fall reinbringen, was an sich natürlich immer gut ist, aber man sollte es nicht so Hollywood-mäßig übertreiben.  

Die beiden  Hauptprotagonisten Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein sind einem im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen und ich liebe ihre Menschlichkeit. Wie immer ist das Buch, durch ein paar Details aus ihrem Privatleben aufgefrischt. Dann gibt es eine Menge anderer Personen. Da wären z. B. Frederike "Ricky" Franzen, die ein Zoogeschäft führt, ihr Lebensgefährte Jannis Theodorakis, der scheinbar alles andere als Liebe für Ricky empfindet, Rickys beste Freundin Nika, welche das komplette Gegenteil ihrer Freundin ist und der Teenager Mark, der lieber die Schule schwänzt um Ricky im Zooladen auszuhelfen. Auch diese hatten wieder genügend Tiefe und Details. Nele Neuhaus schafft es einfach immer wieder ihren Figuren Leben einzuhauchen.

Im Großen und Ganzen ist "Wer Wind sät" wieder ein gutes Buch der Autorin, allerdings hätte sie sich diesmal vielleicht lieber nur auf den geplanten Windpark und die damit betreffenden Mordfälle und deren Aufklärung beschäftigen sollen und das ganze nicht international ausweiten sollen. Das hätte Nele Neuhaus lieber etwas verkleinern sollen - Bundesland-Ebene hätte da auch vollkommen ausgereicht.

ABSCHLUSSWORT
Die Morde und deren Aufklärung waren gut durgedacht und die handelnden Personen wie immer stimmig. Allerdings war diemsal alles etwas zu übertrieben. Bei diesem Buch gilt wirklich: Weniger ist manchmal einfach mehr!

4/5 Punkte

Ullstein - 557 Seiten - Krimireihe, Band 5 - Taschenbuch - 9,99 EUR

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