Rezension | Nele Neuhaus - Tiefe Wunden

Donnerstag, Januar 23, 2014

List TB | 478 Seiten |  September 2009 | Krimireihe, Band 3 | TB | 9,99 EUR 

Auch in ihrem dritten Fall ermitteln Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff wieder in einem Mordfall. Dieser führt die beiden in die Vergangenheit Ende des zweiten Weltkrieges, seinen Überlebenden und in eine hochangesehene Familie. Pia und Oliver werden zu der Leiche eines 92-jähigen Holocaust-Überlebenden gerufen, der mit einem Genickschuss getötet wurde. Am Tatort gibt es nur einen Hinweis: die Zahl 16145, die mit Blut auf einen Spiegel geschrieben ist. Bei der Obduktion der Leiche entdeckt der Rechtsmediziner allerdings die Reste einer SS-Blutgruppentätowierung, die für einen Juden wie Goldberg recht unwahrscheinlich ist und Verwirrung in den Fall bringt. Von der obersten Stelle werden Pia und Oliver die Ermittlungen untersagt. Dann geschehen zwei weitere Morden an Menschen im Alter von Goldberg. Und jedes Mal taucht die Zahl 16145 auf, die die Morde zu verbinden scheint. Aber was haben die alte Dame aus der Seniorenresidenz und der Alt-Nazi mit Goldberg zu tun? Es lässt sich keine Verbindung herstellen, außer dass alle drei Opfer mit der ebenfalls alten Clanchefin Vera Kaltenberg bekannt waren. Die Ermittler Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein stehen vor vielen ungelösten Rätseln und Probleme, die die Familie Kaltenbach und deren Firma mit sich trägt. 

MEINE MEINUNG
Wie bereits in Teil 1 und 2 geizt die Autorin auch hier nicht mit Verdächtigen. Hinzu kommen noch einige verwickelte Familienverhältnisse, die es zu Anfang gilt, einzuordnen. Jedoch hat Nele Neuhaus diesmal nicht ganz so viele Nebenhandlungen eigenbaut und sich mehr auf das Wesentliche konzentriert. Der Perspektivenwechsel und die klareren und strukturierteren Handlungen tun dem Spannungsverlauf gut. 

Zuerst gehen die Ermittlungen ein wenig schleppend voran und die Geschichte gleicht mehr einer tragischen Familiengeschichte als einem Krimi. Das fand ich an sich aber nicht besonders schlimm, denn Nele Neuhaus weiß, wie sie meisterhaft falsche Fährten legt, sodass man den Täter bis zum Ende eigentlich nicht eindeutig benennen kann. Sie baut von der ersten Seite Spannung auf und kann sie auch bis zur letzten Seite halten. Zum Ende hin hat es die Autorin aber wieder zu gut gemeint und ist ein klein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Einige Details und Verstrickungen waren etwas zu viel des Guten. 

Die Ermittler gewinnen noch mehr an Tiefe und sie wachsen immer mehr zu einem wirklichen Team zusammen. Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff sind auch hier wieder bodenständig und glaubwürdig dargestellt, sodass die Einblicke in ihr Privatleben immer wieder aufs Neue interessant sind. Die Darstellung der Charaktere halte ich für eine große Stärke der Autorin denn auch alle Nebenfiguren, die sie in ihre Bücher einbaut sind stimmig und menschlich gezeichnet. Das ist auch in diesem Teil wieder der Fall. 

Bei der Zahl 16145 am Tatort bin ich als Leser eigentlich sehr schnell auf das Datum 16.1.45 gekommen. Bis die Ermittler allerdings verstanden haben, dass es sich dabei um ein Datum handelt, hat es eine ganze Weile und viele falsche Fährten gedauert. Vielleicht ein wenig zu lange für ein intelligentes Ermittlerteam. Auch waren diesmal Pias Ermittlungsmethoden nicht immer nachvollziehbar und ihr Verhalten war zum Teil alles andere als professionell und ermittlungsfördernd. Damit konnte ich aber leben, denn das Buch war sonst ein wahrer Lesegenuss.

FAZIT
Das Buch hat bei mir zu keiner Zeit Langeweile aufgebracht. Ein guter und spannender Krimi, mit dem Nele Neuhaus mich wirklich überzeugt hat.  

4/5 Punkte

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